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»Ich weiß, die Promotion ist für alle die Hölle, aber es ist schon ein bisschen deprimierend, einen Professor an einem Freitagabend hier im Pausenraum zu treffen. Anstatt dass er im Bett Netflix guckt oder mit seiner Freundin essen geht …«
»Ich dachte, du wärst meine Freundin.«
Olive lächelte ihn an. »Nicht ganz.« Aber da wir schon beim Thema sind: Warum hast du eigentlich keine? Das erscheint mir immer schwerer nachvollziehbar. Vielleicht willst du einfach keine. Vielleicht willst du einfach allein sein, wie alles an deinem Verhalten vermuten lässt, und ich nerve dich zu Tode. Ich sollte meine Chips und meine Schokolade nehmen und zu meinen dämlichen Proteinproben zurückgehen, aber aus irgendeinem Grund fühle ich mich in deiner Gesellschaft so wohl. Und ich fühle mich zu dir hingezogen, obwohl ich nicht im Geringsten verstehe, warum.
»Hast du vor, weiter in der Forschung zu arbeiten?«, fragte er. »Wenn du promoviert hast.«
»Ja. Vielleicht. Nein.«
Er lächelte, und Olive musste lachen.
»Ich bin noch unentschieden.«
»Offensichtlich.«
»Es ist nur … Vieles daran gefällt mir. In einem Labor zu arbeiten, die Forschung an sich. Neue Ideen zu verfolgen und das Gefühl zu haben, dass ich wirklich etwas bewirke. Aber wenn ich diesen Weg gehe, werde ich auch viele andere Sachen tun müssen, die ich …« Sie schüttelte den Kopf.
»Andere Sachen?«
»Ja. Hauptsächlich meine ich den ganzen PR-Kram. Mich um Fördergelder bewerben und die Leute überzeugen, meine Forschung zu finanzieren. Networking betreiben – eine ganz spezielle Folter. Öffentliche Vorträge oder auch nur Gespräche unter vier Augen, bei denen ich mein Gegenüber beeindrucken muss. Das ist das Schlimmste. Ich hasse es so sehr – mein Kopf droht zu platzen, gleichzeitig erstarre ich, wenn mich alle beobachten und beurteilen, und meine Zunge gehorcht mir nicht mehr, und ich fange an mir zu wünschen, ich wäre tot, und dann wünsche ich allen anderen den Tod und …« Auf einmal bemerkte sie sein Lächeln und warf ihm einen betretenen Blick zu. »Du verstehst schon.«
»Wenn man will, kann man einiges dagegen tun. Du brauchst nur etwas Übung. Und es hilft, seine Gedanken sorgfältig zu strukturieren. Solche Sachen.«
»Ich versuche es ja – zum Beispiel vor meinem Meeting mit Tom. Aber trotzdem habe ich gestammelt wie ein Idiot, als er mir eine simple Frage gestellt hat.« Und dann hast du mir geholfen, meine Gedanken zu ordnen, und mir den Arsch gerettet.

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