anatomia y biomecanica
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anatomia y biomecanica


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bar ist. Eine klinische Anwendung der
Methode bei pathologischen Knochen-
veränderungen ist z. B. bei der Frage-
stellung nach der Frakturgefährdung
möglich.
Aus dem CT-Datensatz eines Be-
ckens lassen sich die innere bzw. äußere
Kortikalis aus verschiedenen Blickrich-
tungen dreidimensional rekonstruieren,
sodass zweidimensionale Bilder der un-
terschiedlichen Ansichten (Innenansicht
der inneren, Außenansicht der äußeren
Kortikalis) mit räumlichem Eindruck
entstehen. Ebenso können Bereiche 
unterschiedlicher Dichte, z. B. 100\u2013
200, 200\u2013300, \u2026, 1100\u20131200 HU (HU:
Hounsfield-Einheiten), berechnet und
jeweils bildlich dargestellt und schließ-
lich mit Falschfarben hinterlegt werden.
Auf diese Weise werden farbige \u201eLand-
karten\u201c der Knochendichteverteilung
erhalten (Abb. 5).Beckeninnenseitig zei-
gen sich Areale sehr hoher Knochen-
dichte v. a. an der Incisura ischiadica
major und entlang der Linea terminalis,
periazetabulär sowie im Bereich des Tu-
berculum majus und der Spina ischiadi-
ca.Außerdem liegen im Bereich der Cris-
ta iliaca hohe Dichtewerte vor. Auf der
Beckenaußenseite verlaufen die Areale
hoher Knochendichte an den korres-
pondierenden Stellen.
Symphyse
Zwischen den 3 knöchernen Bestand-
teilen des Beckenrings existieren nor-
malerweise keine knöchernen Verbin-
dungen. Die Kräfte (Druck, Schub, Zug)
werden über Synchondrosen weiterge-
leitet. Ventral verbindet die Symphyse
beide Schambeine untereinander. Die
Symphyse spielt im Vergleich zu den bei-
den, jeweils etwa 7 cm2 großen Sakro-
iliakal-(SI-)Gelenken für die Stabilität
des Beckenrings jedoch eine untergeord-
nete Rolle, da sie außerhalb des Haupt-
kraftflusses liegt. Eine Symphysendias-
tase aufgrund einer Elastizitätserhöhung
der Symphysenligamente \u2013 übrigens auch
der SI-Ligamente \u2013 ist in der Schwan-
gerschaft physiologisch [30]. Normaler-
weise ist sie gering ausgeprägt, über-
steigt 10 mm nicht und ist asymptoma-
tisch. Eine Öffnung der Symphyse mehr
als 1 cm im Rahmen einer Schwanger-
schaft oder Geburt ist Ausdruck einer in-
kompletten oder kompletten Symphysen-
ruptur. Sie ist in der Regel symptoma-
tisch und behandlungsbedürftig [10, 19].
Kraftfluss im Becken
Die Kraft fließt beim aufrechten Gang
vom Schenkelhals bzw. vom Hüftkopf
über die Pfanne nach dorsal in das Sa-
kroiliakalgelenk (Abb. 6). Der dorsale
Beckenringabschnitt ist daher bei der
Betrachtung von Beckenringverletzun-
gen besonders zu beachten.
4 Trauma und Berufskrankheit 1 · 2000
Leitthema 
Abb. 4 m Typischer Frakturverlauf des dorsalen
Pfeilers in der Ausrichtung der Spannungslini-
en unterhalb der Linea terminalis, aus Baum-
gaertel [1]; vgl. Abb. 3
Abb. 5 a, b m Darstellung der Knochendichte eines rechten Darmbeins einer 41-jährigen Frau durch
Farbhinterlegung: von niedrigen Knochendichten (100 HU) blau, über grün, gelb, orange bis zu hohen
Dichtewerten (900 HU) rot; a Beckeninnenseite, b Beckenaußenseite
a b
Die Befestigung des Kreuzbeins im
Beckenring ist von der Intaktheit kräfti-
ger Bandstrukturen abhängig: Dorsal 
ist das Kreuzbein schmaler als ventral
(Abb. 1). Bei Belastung durch den auf-
rechten Gang tendiert es daher zu einer
Verschiebung nach ventral-kaudal. Zu
beiden Seiten wirken nun die Ligg. ilio-
lumbalia, sacroiliaca ventralia, inter-
ossea und sacroiliaca dorsalia dieser
Verschiebungstendenz entgegen. Dabei
kommt den Ligg. sacroiliaca dorsalia
(Abb. 7) die größte Bedeutung zu, da sie
die Knochenverbindung wie das Träger-
seil einer Hängebrücke überspannen
und so die nach ventral gerichteten
Kräfte des Kreuzbeins auffangen.
Beim aufrechten Stand oder Gang,
d. h. beim phasischen Wechsel zwischen
2- und 1-Bein-Stand, wirken verschiede-
ne Kräfte auf das Becken ein: Zum einen
werden Rotationskräfte um eine sagitta-
le Achse im Bereich der Sakroiliakalge-
lenke wirksam, weil dieser Drehpunkt
medial des Femurkopfs liegt; zum an-
deren greifen Rotationskräfte um eine
transversale Achse durch die Sakroilia-
kalgelenke an, die dadurch zustande
kommen, dass der Drehpunkt im Be-
reich der Sakroiliakalgelenke dorsal
vom Mittelpunkt der Femurköpfe liegt
(Abb. 8). Diese Rotationskräfte sind bei
intakten Ligg. sacrotuberale und sacro-
spinale (Bänder des Beckenbodens) im
Gleichgewicht.
Beckenstabilität
Mit einer einfachen Versuchsanordung
können die Wertigkeiten der einzelnen
Bänder für die Stabilität des Beckens de-
monstriert werden [16]. Ein Leichen-
becken wurde im Sakroiliakalbereich
auf einer Unterlage fixiert und über eine
Trochanterschraube und Drehspindel
eine definierte Kraft in Vertikalrichtung
in Höhe der natürlichen Gangbelastung
ausgeübt. Die Vertikalverschiebung im
Bereich der SI-Fuge wurde über 2 Mess-
pins gemessen (Abb. 9). Es wurde Fol-
gendes beobachtet (Abb. 10):
\u2013 Durchtrennung der Symphyse: Außen-
rotation der Beckenhälfte, Öffnung der
Symphyse bis 2,5 cm, keine Vertikalver-
schiebung,
\u2013 zusätzlich Durchtrennung der Bandver-
bindungen des SI-Gelenks: starke Ver-
schiebung des Beckens nach kranial,
Trauma und Berufskrankheit 1 · 2000 5
Abb. 6 c Hauptkraftfluss von der Wir-
belsäule über beide Sakroiliakalgelenke
auf das Pfannendach beiderseits, Pfeile
ventraler Schluss des Beckenrings durch
die Symphyse, ligamentäre Zuggurtung
intrapelvin, nach Lierse [18]
Abb. 7 c Bänder des Beckenrings, dorsa-
le Ansicht
Lig. sacroiliacum Lig. iliolumbale
dorsale
Lig. sacrotuberale
Abb. 8 a, b m Rotationskräfte (Pfeile) am Becken, a a.-p.-Ansicht: sagittale Drehachse im Bereich des
Sakroiliakalgelenks (SI) medial vom Mittelpunkt des Femurkopfs (F), Gleichgewicht bei intakten
Beckenbodenbändern (1); b seitliche Ansicht: transversale Drehachse im Bereich des Sakroiliakalge-
lenks (SI) dorsal vom Mittelpunkt des Femurkopfs (F), Gleichgewicht bei intakten Ligg. sacrospinale
(1) und sacrotuberale (2)
SI
F
2
F
SI
a b
\u2013 zusätzlich Durchtrennung der Ligg.
sacrospinale und sacroiliacale: starke
Außenrotation, aber keine wesentliche
Zunahme der kranialen Verschiebung.
Beim aufrechten Gang des Menschen
sind die Synchondrosen des Beckens be-
sonderen Belastungen ausgesetzt, die sich
im Bauplan widerspiegeln.So ziehen z. B.
die in den peripheren Anteilen der Sym-
physe gelegenen kollagenen Faserbün-
del schräg von einer Seite zur anderen
und überkreuzen sich hierbei in der Me-
dianlinie. Diese Anordnung der Faser-
strukturen lässt auf wechselnde Druck-,
Zug- und Scherbelastungen schließen,
die beim Wechsel vom 2-Bein- auf den
1-Bein-Stand auftreten [29].Auch die SI-
Gelenke werden wechselnd belastet.
Morphologische Substrate sind zum ei-
nen das als dicke Masse zwischen den
Gelenkflächen liegende Lig. sacroilia-
cum interosseum, in das häufig eine
Bursa oder sogar eine gelenkähnliche
Fläche eingearbeitet ist. Zum anderen
zeigt die CT-Osteoabsorptiometrie die
höchste subchondrale Knochendichte
randständig, und dies besonders am
kranialen und auch kaudalen Rand ent-
sprechend der kranialen Belastung beim
2-Bein- und der kaudalen Belastung
beim 1-Bein-Stand [25, 29]. Die wech-
selnden Druck- und Zugbeanspruchun-
gen sind in Abb. 11 dargestellt.
Neben den knöchernen und liga-
mentären Strukturen tragen selbstver-
ständlich auch die Muskeln zur Stabili-
sierung und Gleichgewichthaltung er-
heblich bei. Der Einfluss der Muskeln ist
im beidbeinigen Stillstand auf niedri-
gem Niveau. Bei Überbeanspruchung
wird der Kliniker gelegentlich mit dem
Muskelmantel des Beckengürtels kon-
frontiert, wenn z. B. Apophysenfraktu-
ren vorliegen [14]. Den Muskeleinfluss
bei \u201enormaler\u201c körperlicher Aktivität zu
bestimmen, ist besonders bei biome-
chanischen Modellen ein Problem, da es
im Modell letztlich nicht gelingt, alle
muskulären Einflussgrößen realitätsnah
zu imitieren. Es stehen aber Anhalts-
größen zur Verfügung. So hat Strasser
[32] bereits 1917 die Aktivitäten der ver-
schiedenen Muskelgruppen