anatomia y biomecanica
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anatomia y biomecanica


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um das
Hüftgelenk in verschiedenen Positionen
nach Stärke und Richtung ihrer Kraft
analysiert. Crowninshield u. Brand [4]
stellten ein Modell zur quantitativen Be-
stimmung der Muskelaktivitäten der
unteren Extremität vor. Die Berechnun-
6 Trauma und Berufskrankheit 1 · 2000
Leitthema 
Abb. 9 b Versuchsaufbau zur Untersu-
chung der vertikalen Belastbarkeit des
Beckens: Fixierung des Os sacrum in der
physiologischen Lendenlordose der Wir-
belsäule; vertikale Kraftübertragung
über eine Trochanterschraube mit daran
angeschlossener Drehspindel (Bein ge-
gen Abduktion gesichert); Registrierung
der Kräfte digital über ein Messgerät an
der Drehspindel; Bestimmung der
Beckenverschiebung (Vertikalverschie-
bung, Rotation) mit Hilfe von Messpins
Fixierungsschrauben Messpins
Vertikalbelastung
Abb. 10 m Beckeninstabilität bei ligamentärer Läsion, si sacroiliacum, ssp sacrospinale, st sacrotube-
rale; Ergebnis experimenteller Untersuchung (vgl. Abb. 9)
Ve
rs
ch
ie
bu
ng
 [m
m
]
40
35
30
25
20
15
10
5
0
350 N
700 N
1050 N
Becken intakt Läsion Symph. + L. si. v. + L. ssp. + st. + L. si. d.
Läsion
Abb. 11 m a 2-Bein-Stand: Zugbeanspruchung der Symphyse, der Ligg. sacrospinalia und sacrotube-
ralia (1), sacroiliaca ventralia und interossea im kaudalen SI-Bereich, Druckbeanspruchung im oberen
SI-Bereich (2); b 1-Bein\u2013Stand: Verlagerung der Belastungsachse in Richtung Spielbein aus Gleich-
gewichtsgründen; Zugbeanspruchung der gegenseitigen Ligg. iliolumbale, sacroiliacum interosseum
und dorsale im kranialen SI-Bereich, Druckbeanspruchung der kaudalen SI-Zone und der Symphyse,
hier auch Scherbeanspruchung, nach Putz u. Müller-Gerbl [29]
a b
gen ergaben erwartungsgemäß eine er-
hebliche Kraftentfaltung besonders der
Glutaeen im 1-Bein-Stand. Aus diesem
Grund wird bei der Betrachtung der Be-
lastung des Hüftgelenks in der Regel von
der Kräfteresultierenden aus Körperge-
wicht und Kraft der Abduktorenmus-
keln ausgegangenen [17] und diese Mus-
kelgruppe häufig bei biomechanischen
Untersuchungen am Modell simuliert.
Modelle des Beckens
Die geschilderten anatomischen Be-
trachtungsweisen spiegeln sich im 
Verspannungsmodell des gesamten 
Beckengürtels wider, welches die Weich-
gewebe als passive (Bänder) und aktive
(Muskeln) Repräsentanten der Zugbe-
anspruchung bei der statodynamischen
Analyse gedanklich miteinbezieht (Abb.
12).
Um die Statomechanik des komple-
xen Beckenknochens zu erfassen, wur-
den eine Reihe weiterer theoretischer
Überlegungen angestellt und mathema-
tische Modelle entwickelt [2, 5, 11, 12, 21,
37]. Es existieren auch Untersuchungen
zur Bewegung des Beckens durch die
natürliche Gangbelastung mittels Ras-
terstereographie [6] und Holographie
[33] sowie Berechnungen und mechani-
sche Analysen zur räumlichen Bean-
spruchung des Beckens mit Hilfe der
Methode der finiten Elemente [27, 35].
Hauptsächliche Fragestellungen solcher
Untersuchungen beziehen sich auf Pro-
bleme im Zusammenhang mit der Ver-
ankerung von künstlichen Hüftpfannen
im Beckenknochen. In der Chirurgie des
Beckenknochens sind weiterhin die Ver-
laufsrichtungen der Druck- und Zugtra-
bekel sowie die Kortikalisstärke von Be-
deutung. So kann sich der Operateur an
diesen Angaben orientieren, um Korti-
kalisschrauben einerseits in kräftigem
Knochen zu verankern und andererseits
Spongiosaschrauben möglichst längs
der Beanspruchungsrichtung des Kno-
chens zur Erhöhung der Vorlast zu plat-
zieren [31], also um die Schrauben mög-
lichst nur auf Druck, nicht auf Scherung
zu belasten.
Versorgung 
von Beckenverletzungen
Diese theoretischen Überlegungen be-
stimmen zwar ganz wesentlich das Han-
deln bei der unfallchirurgischen Versor-
gung von Beckenverletzungen, grund-
sätzlich ist aber die Art der Versorgung
von der Art der vorliegenden Verletzung
abhängig. Meist führen nur höhere Ge-
walteinwirkungen zu knöchernen Ver-
letzungen im Beckenbereich, da das Be-
cken durch einen kräftigen Weichteil-
mantel (\u201eintrinsic air bag\u201c) geschützt ist.
Für die Stabilitätsbeurteilung und Klas-
sifikation der Verletzungsmuster des
Beckenrings hat sich die Einteilung nach
Pennal et al. [28] bewährt, die die Rich-
tung der Krafteinwirkung berücksich-
tigt. Es lassen sich 3 Grundformen un-
terscheiden (Abb. 13):
1. a.-p.-Kraft
2. seitliche Kraft
3. schräge Kraft (Scherkraft)
Bei diesen Gewalteinwirkungen kann es
zu Verletzungen des Beckenrings und/
oder des Azetabulums kommen. Beide
Verletzungsformen werden in der Un-
fallchirurgie unterschieden, da bei den
Beckenringverletzungen begleitende Um-
stände wie z. B. Organverletzungen, le-
bensbedrohliche Blutungen oder die Not-
wendigkeit spezieller intensivmedizini-
scher Maßnahmen wie Lagerungsthe-
rapie bei begleitender Lungenkontusion
zu einem frühzeitigen Handeln zwin-
gen, wohingegen bei isolierten Azetabu-
lumverletzungen einer operativen Ver-
sorgung eine genaue Frakturanalyse, in
der Regel mit Hilfe von Computertomo-
grammen, vorausgehen muss. Daher wer-
den Beckenringverletzungen häufig pri-
mär, Azetabulumfrakturen jedoch fast
ausschließlich sekundär operativ ver-
sorgt. In dieser Übersicht beschränken
wir uns auf die Betrachtung von Becken-
ringverletzungen. Die Lokalisation der
Läsion (vordere Läsion und/oder hintere
Läsion) und das Ausmaß der Verletzung
(z. B.Einstauchung oder komplette Kon-
tinuitätsunterbrechung) bestimmen nun,
ob es sich um eine stabile oder instabile
Verletzung des Beckenrings handelt.
Open-book-Verletzung
Bei einer a.-p.-Kompression (z. B. direk-
ter Stoß von hinten oder von vorne ge-
gen die hinteren oder vorderen Darm-
beinstacheln; LKW trifft Fußgänger
Trauma und Berufskrankheit 1 · 2000 7
Abb. 12 m Schematisierte Architektur der
Beckengürtelverspannung. Sakrum, Sitzbein
und Crista iliaca stellen Endpunkte druckbelas-
teter Hebelarme dar, die über die zugbelaste-
ten Bänder und Muskeln die Scherbeanspru-
chung des Schenkelhalses reduzieren, nach 
Möser u. Hein [22, 23], Ci Crista iliaca; F Femur-
achse; KG Körpergewicht; Lil Lig. iliolumbale;
Lss Lig. sacrospinale; Lst Lig. sacrotuberale;
Lt Linea terminalis; Moe M. obturator externus;
Mqf M. quadratus femoris; Oi Os ilium; P Pro-
montorium; S Sakrum; Sh Schenkelhals; Tit Trac-
tus iliotibialis; Toi Tuber ossis ischii (genau:
R. ossis ischii und R. inferior ossis pubis)
Beckenuntergurt
Toi
Gelenkuntergurt
(Moe, Mqf)
Abb. 13 c Vektoren der Gewalteinwir-
kung auf den Beckenring
a.-p.
lateral
schräg
frontal) kommt es zu einer Außenrota-
tionsbewegung der beiden Beckenhälf-
ten und zur so genannten Open-book-
Bewegung.Hierbei zerreißt zunächst die
Symphyse, sie lässt sich bis maximal 
2,5 cm öffnen (Grad I der Open-book-
Verletzung). Wegen der intakten Ligg.
sacroiliaca, sacrospinalia und sacrotu-
beralia wird diese Verletzung als stabil
angesehen (Abb. 14). Die Therapie ist
konservativ.
Bei zunehmender a.-p.-Gewaltein-
wirkung zerreißen nicht nur die Sym-
physe, sondern auch das vordere sakro-
iliakale Band, das Lig. sacrospinale und
das Lig. sacrotuberale. Die Bänder kön-
nen ligamentär zerreißen oder auch
knöchern ausreißen. Die Symphyse 
lässt sich jetzt mehr als 2,5 cm öffnen
(Open-book-Verletzung Grad II, Abb.
15). Ohne hinzu kommende Scherkräfte
bleibt der posteriore Bandapparat der
SI-Verbindung intakt, weshalb diese a.-
p.-Kompressionsverletzung als relativ
stabil angesehen wird. Therapeutisch
bietet sich das \u201eSchließen des Buchs\u201c an,
z. B. durch Plattenosteosynthese bzw.
-arthrodese der Symphyse.
Eine Open-book-Verletzung Grad III
liegt bei zusätzlichen Weichteilläsionen
im Beckenboden-/Dammbereich (Haut,
Vagina, Urethra, Blase, Rektum) vor.
Seitliche Gewalteinwirkung
Eine von lateral auf das Becken einwir-
kende Kraft kann zu einer zentralen
Hüftluxation führen, wenn sie am Tro-
chanter major angreift.