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O Gott. Was, wenn sie sich wirklich schon vor Jahren begegnet waren? Wahrscheinlich erinnerte er sich nicht einmal daran. Bestimmt nicht. Wieso auch? Einen Moment lang überlegte sie, ihn zu fragen, aber was sollte das bringen? Er hatte keine Ahnung, dass ihr das fünfminütige Gespräch, das sie damals geführt hatten, genau den Schubs gegeben hatte, den sie brauchte. Dass sie noch Jahre später an ihn gedacht hatte. Olive erinnerte sich noch gut, was sie ihm zum Abschied gesagt hatte – Vielleicht sehen wir uns nächstes Semester –, und oh, wenn sie es doch nur gewusst hätte. Etwas Warmes, Sanftes durchströmte den verletzlichen Teil in ihr, den sie sehr sorgsam schützte. Als sie Adam ansah, wurde das Gefühl noch größer, noch stärker, noch heißer. Du, dachte sie. Du. Du bist einfach … Das Schlimmste … Das Beste … Olive schüttelte lachend den Kopf. »Was?«, fragte Adam verwundert. »Ach, nichts.« Sie grinste ihn an. »Weißt du was? Wir sollten einen Kaffee trinken gehen. Um zu feiern.« »Um was zu feiern?« »Alles! Dein tolles Projekt. Mein Jahr in Harvard. Wie gut unser Fake-Dating läuft.« Vielleicht war es unfair, ihn darum zu bitten, obwohl ihr nächstes Fake-Date erst morgen anstand. Aber ihr Treffen letzten Mittwoch war viel zu kurz gewesen, und seit Freitagabend hatte Olive mindestens dreißigmal zu ihrem Handy gegriffen und sich nur mit Mühe davon abhalten können, ihm Sachen zu schreiben, die ihn bestimmt nicht interessierten. Er musste nicht wissen, dass er recht gehabt hatte und das Problem mit ihrem Western Blot tatsächlich der Antikörper gewesen war. Er hätte ihr ganz bestimmt nicht geantwortet, wenn sie ihm am Samstag um zehn Uhr abends die Hey-was-geht?-Nachricht geschickt hätte, die sie zweimal geschrieben und wieder gelöscht hatte, weil sie unbedingt wissen wollte, ob er noch in seinem Büro war. Und sie war heilfroh, dass sie sich nicht getraut hatte, ihm den Onion-Artikel über Tipps für sicheren Sonnenschutz zu schicken. Vielleicht war es unfair, ihn darum zu bitten, aber heute war ein bedeutsamer Tag, und sie wollte ihn feiern. Mit Adam. Er machte ein nachdenkliches Gesicht. »Meinst du richtigen Kaffee oder Kamillentee?« »Kommt drauf an. Wirst du wieder griesgrämig?« »Wenn du wieder dieses Kürbiszeug bestellst, dann ja, definitiv.« Sie verdrehte die Augen. »Du hast einfach keinen Geschmack.« Ihr Handy piepste – eine Erinnerung. »Oh, wir sollten noch schnell zu Fluenchella. Vor unserem Kaffee-Date.« Seine Stirn legte sich in Falten. »Ich habe Angst zu fragen, was dieses Wort bedeutet.«