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Kapitel 8 Hypothese: Auf einer graduellen Antwortskala nach Likert von eins bis zehn liegt Jeremys Timing mit einer Standardabweichung von null Komma zwei bei mindestens minus fünfzig. Die Nummer siebenunddreißig – Salt-and-Vinegar-Chips – war ausverkauft. Es war unfassbar: Als Olive um acht Uhr abends hergekommen war, hatte es im Cafeteria-Automaten noch mindestens eine Tüte gegeben. Sie erinnerte sich deutlich, wie sie die Gesäßtaschen ihrer Jeans nach Kleingeld abgesucht hatte, und an das Gefühl des Triumphs, als sie genau vier Vierteldollar fand. Voller Vorfreude hatte sie den Moment ersehnt, in dem sie endlich, etwa zwei Stunden später, ein Drittel ihrer Arbeit geschafft hätte und sich für ihre Mühen mit dem unbestreitbar besten Snack belohnen wollte, den die vierte Etage zu bieten hatte. Aber nun waren keine Chips mehr da. Und das war ein Problem, denn Olive hatte ihre kostbaren Münzen schon in den Schlitz geworfen, und sie hatte Bärenhunger. Schließlich wählte sie Nummer vierundzwanzig (Twix) und lauschte dem dumpfen, enttäuschenden Geräusch, mit dem es in das Fach unten fiel. Sie holte es heraus und starrte wehmütig auf das goldene Papier, das in ihrer Hand schimmerte. »Ich wünschte, du wärst eine Packung Salt-and-Vinegar-Chips«, flüsterte sie ihm vorwurfsvoll zu. »Hier.« »Aah!« Erschrocken, mit angriffsbereit erhobenen Händen wirbelte sie herum. Aber die einzige Person im Pausenraum war Adam, der auf einem der kleinen Sofas in der Mitte saß und sie amüsiert ansah. Sie entspannte sich etwas und presste die Hand auf die Brust, um ihren rasenden Herzschlag zu beruhigen. »Wann bist du denn reingekommen?« »Vor ungefähr fünf Minuten vielleicht«, antwortete er gelassen. »Ich war schon hier, als du hier aufgetaucht bist.« »Warum hast du nichts gesagt?« »Dasselbe könnte ich dich auch fragen.« Sie hatte sich immer noch nicht von dem Schreck erholt. »Ich hab dich nicht gesehen. Warum sitzt du im Dunkeln wie ein Verbrecher?« »Das Licht ist kaputt. Wie üblich.« Adam hob sein Getränk – eine Flasche Cola, auf der witzigerweise »Seraphina« stand –, und Olive erinnerte sich unwillkürlich, wie Jess, eine seiner Doktorandinnen, darüber geschimpft hatte, dass Essen und Trinken in seinem Labor streng verboten waren. Jetzt nahm er etwas vom Sofa und hielt es Olive hin. »Du kannst den Rest von meinen Chips haben.« Olives Augen wurden schmal. »Du also.« »Ich?« »Du hast meine Chips gestohlen.«