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Seit Jahren redet er ununterbrochen von dieser ›tollen Frau‹, aber immer hat er sich Sorgen gemacht, weil ihr in derselben Fakultät arbeitet, hatte Holden gesagt. Olive hatte sich so viel dabei gedacht – und sich so sehr geirrt. »Du hättest nicht lügen müssen, weißt du«, sagte sie, ohne jeden Vorwurf. Er rückte den Riemen ihrer Reisetasche auf seiner Schulter zurecht. »Hab ich auch nicht.« »Irgendwie schon. Durch Auslassung.« »Stimmt. Bist du …« Er presste die Lippen aufeinander. »Bist du sauer?« »Nein, eigentlich nicht. Als Lüge ist das kein schwerer Fall.« »Nicht?« Einen Moment knabberte sie an ihrem Daumennagel. »Ich habe viel schlimmere Sachen behauptet. Und ich habe unsere erste Begegnung nie erwähnt, nicht einmal, als ich eins und eins zusammengezählt hatte.« »Trotzdem, wenn du …« »Ich bin nicht sauer«, sagte sie, sanft, aber bestimmt, sah ihn an und überlegte angestrengt, wie sie es ihm sagen könnte. Wie sie es ihm zeigen könnte. »Ich bin … ich empfinde etwas ganz anderes.« Sie lächelte. »Ich bin froh … dass du dich an mich erinnert hast, an diesen Tag.« »Du …« Pause. »Du bist sehr erinnerungswürdig.« »Ha. Bin ich überhaupt nicht. Ich war ein Niemand – Teil einer riesigen Neulingsmasse.« Sie schnaubte und blickte auf ihre Füße. Um mit seinen langen Beinen mitzuhalten, musste sie wesentlich schnellere Schritte machen. »Das erste Jahr hab ich gehasst. Das war dermaßen stressig.« Überrascht sah er sie an. »Erinnerst du dich noch an deinen ersten Seminarvortrag?« »Allerdings. Warum?« »Dein Dreißig-Sekunden-Elevator-Pitch – du hast ihn Turbolift-Pitch genannt und dazu ein Bild von The Next Generation in deine Präsentation kopiert.« »Oh, ja. Stimmt.« Sie lachte leise. »Ich wusste nicht, dass du ein Trekkie bist.« »Es gab eine Phase. Und das Picknick in dem Jahr, als wir nassgeregnet wurden. Du hast stundenlang mit den Kids, die irgendjemand mitgebracht hatte, Fangen gespielt. Die Kinder fanden dich toll – man musste sie mit Gewalt von dir wegzerren, um sie wieder ins Auto zu kriegen.« »Das waren die Kinder von Dr. Moss.« Olive sah ihn neugierig an. Eine leichte Brise fuhr durch seine Haare, es schien ihn nicht zu stören. »Ich hätte nicht gedacht, dass du Kinder magst. Eher das Gegenteil, genau genommen.« Er zog eine Augenbraue hoch. »Ich mag keine Fünfundzwanzigjährigen, die sich benehmen wie Kleinkinder. Wenn sie tatsächlich drei Jahre alt sind, mag ich sie meistens sehr gern.« Olive grinste. »Adam, die Tatsache, dass du wusstest, wer ich bin … hatte das irgendetwas zu tun mit deiner Entscheidung, bei den Fake-Dates mitzumachen?«