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Olive nickte, und Holden fuhr fort. »Das Zweite ist etwas, was dir vielleicht bewusst ist, vielleicht aber auch nicht, weil es mit Politik und der universitären Welt zu tun hat, und beides durchschaut man eigentlich erst vollständig, wenn man alle zwei Wochen fünfstündige Fakultätstreffen mitmacht. Aber ich kann dir Folgendes sagen: Von der Zusammenarbeit zwischen Adam und Tom profitiert Tom ohne jeden Zweifel mehr als Adam. Deshalb ist Adam auch der Projektverantwortliche für das Forschungsbudget, das sie bekommen haben. Tom dagegen ist … na ja, er ist ersetzbar. Versteh mich nicht falsch, er ist ein sehr guter Wissenschaftler, aber der größte Teil seines Ruhms beruht auf dem Umstand, dass er für unseren früheren Betreuer der Beste und Klügste war. Er hat dessen Labor geerbt, das eine gut geschmierte Maschine war, die er lediglich am Laufen halten musste. Adam hingegen hat eine eigene Forschungsrichtung von Grund auf geprägt und … ich glaube, er vergisst oft, wie gut er ist. Was andererseits wahrscheinlich von Vorteil ist, denn er ist ja sowieso schon ziemlich unerträglich.« Holden schnaubte. »Kannst du dir vorstellen, wie es wäre, wenn er auch noch ein großes Ego hätte?« Olive musste lachen, aber es klang seltsam belegt. Als sie die Hände auf die Wangen legte, überraschte es sie nicht, dass sie nass waren. Anscheinend war es ihr neuer Grundzustand, leise vor sich hin zu weinen. »Das Letzte«, fuhr Holden fort, ohne sich von ihren Tränen stören zu lassen, »ist etwas, was du vermutlich nicht weißt.« Er hielt inne. »Adam ist in der Vergangenheit von vielen Instituten umworben worden. Sehr oft. Man hat ihm Geld angeboten, prestigeträchtige Positionen, unbegrenzten Zugang zu Geldern und Geräten. Das schließt auch Harvard mit ein – es ist beileibe nicht der erste Versuch, ihn dorthin zu holen. Aber es ist das erste Mal, dass er sich bereit erklärt hat, Gespräche zu führen. Und er hat das erst getan, als du beschlossen hast, in Toms Labor zu arbeiten.« Er lächelte sie an und begann, seine Sachen einzupacken und in seinem Rucksack zu verstauen. »Mach daraus, was du willst, Olive.«