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»Unbedingt.« Sie seufzte erneut, diesmal mit einem Lächeln, und lehnte den Kopf an seine Schulter, was vielleicht ein bisschen forsch war, sich aber ganz natürlich anfühlte – vielleicht, weil sie oft in Situationen gerieten, die öffentliche Zuneigungsbekundungen erforderten, vielleicht, weil sie so offen miteinander redeten, vielleicht auch wegen der späten Stunde. Und Adam … immerhin schien er nichts dagegen zu haben. Er war einfach da, still, entspannt und solide. Ihrem Gefühl nach dauerte es sehr lange, bis er etwas sagte. »Es tut mir nicht leid, dass ich von Greg verlangt habe, sein Dissertationsexposé zu überarbeiten. Aber es tut mir leid, dass ich ihn dazu gebracht habe, seinen Frust an dir auszulassen. Und dass so etwas erneut vorkommen könnte, wenn wir so weitermachen.« »Mir tut es leid, dass ich dir so unfreundliche Nachrichten geschickt habe«, sagte sie. »Und du bist gar nicht so schlimm. Selbst wenn du manchmal feindselig und unnahbar bist.« »Freut mich zu hören.« »Ich sollte ins Labor zurückgehen.« Olive setzte sich auf und rieb sich den Nacken. »Mein katastrophales Blotting wird sich nicht selbst beheben.« Adam blinzelte, und in seinen Augen lag ein leicht konsternierter Ausdruck, als habe er nicht erwartet, dass sie schon gehen würde. »Inwiefern katastrophal?« Sie stöhnte. »Es ist nur …« Sie nahm ihr Handy, tippte auf den Home-Button und rief ein Bild von ihrem letzten Western Blot auf, der ein proteinanalytischer Totalausfall war. »Siehst du?« Sie zeigte auf das Ziel-Protein. »Das – es sollte nicht …« Er nickte nachdenklich. »Und du bist sicher, dass die Ausgangsprobe gut war? Und das Gel?« »Weder zu dünnflüssig noch zu fest.« »Vielleicht könnte der Antikörper das Problem sein.« Sie blickte zu ihm auf. »Meinst du?« »Ja, ich würde das Verdünnungsverhältnis und den Puffer überprüfen. Wenn es das nicht ist, könnte es auch an einem fehlerhaften Sekundärantikörper liegen. Komm zu mir ins Labor, wenn es immer noch nicht funktioniert. Dann kannst du unsere Geräte und Materialien benutzen. Falls du noch irgendwas brauchst, frag einfach meinen Labor-Manager.« »Wow. Danke.« Sie lächelte. »Jetzt tut es mir fast leid, dass ich dich nicht in mein Gutachterkomitee aufnehmen kann. Vielleicht sind die Gerüchte über deine Grausamkeit völlig an den Haaren herbeigezogen.« Seine Mundwinkel zuckten. »Vielleicht bringst du einfach das Beste in mir zum Vorschein.«