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»Ich weiß nicht, was die Fachliteratur dazu sagt, und du auch nicht, du kennst nur einen Satz aus einem Artikel im Internet und …«
Anh packte Olives Hand und schüttete so viel Sonnencreme darauf, dass Olive die andere Hand zuhilfe nehmen musste, um zu verhindern, dass alles auf den Boden tropfte. Wie die letzte Idiotin stand sie da, die Hände in einer flehenden Geste vor sich ausgestreckt, während sie fast in Sonnencreme ertrank.
»Bitte sehr.« Anh lächelte sie strahlend an. »Jetzt kannst du dich vor dem Basalzellenkarzinom schützen. Was offen gesagt echt furchtbar klingt.«
»Ich …« Olive hätte gern die Hand vors Gesicht geschlagen, wenn es nur möglich gewesen wäre. »Ich hasse Sonnencreme. Die ist klebrig, und wenn ich mich damit einschmiere, rieche ich wie eine Piña Colada, und … außerdem ist das viel zu viel.«
»Reib dich ein, bis deine Haut nichts mehr absorbieren kann. Vor allem an den Stellen, wo viele Sommersprossen sind. Den Rest kannst du jemandem abgeben.«
»Okay. Anh, dann nimm du welche. Und du auch, Jeremy. Um Himmels willen, du hast rote Haare.«
»Rote Haare, aber keine Sommersprossen«, erwiderte Jeremy mit einem stolzen Grinsen, als hätte er diesen Genotyp selbst erfunden. »Und ich wurde schon gründlich eingerieben. Danke, Süße.« Er drückte Anh einen kleinen Kuss auf die Wange, was sogleich in eine Knutscherei auszuarten drohte.
Olive unterdrückte ein Seufzen. »Leute, was mache ich jetzt damit?«
»Such dir jemand anderen. Wo ist Malcolm geblieben?«
Jeremy schnaubte. »Da drüben, mit Jude.«
»Jude?«, fragte Anh stirnrunzelnd.
»Ja, der Neurowissenschaftler im fünften Jahr.«
»Der in Medizin promoviert hat? Haben die beiden was am Laufen oder …«
»Hey, Leute.« Es kostete Olive ihre ganze Selbstbeherrschung, nicht zu schreien. »Ich kann mich nicht bewegen, ihr habt eine Mords-Sonnencreme-Sauerei angerichtet, bitte kümmert euch darum.«
»Mein Gott, Olive.« Anh verdrehte die Augen. »Du bist manchmal so dramatisch. Warte mal …« Sie winkte jemandem in Olives Rücken und rief mit lauter Stimme: »Hey, Dr. Carlsen! Haben Sie schon Sonnencreme aufgetragen?«
Im Bruchteil einer Sekunde ging Olives Gehirn in Flammen auf und zerfiel dann zu Asche. Einfach so hörten eine Milliarde Neuronen, tausend Milliarden Gliazellen und wer weiß wie viele Milliliter Rückenmarksflüssigkeit auf zu existieren. Dem Rest ihres Körpers erging es nicht besser, denn Olive konnte spüren, wie ihre Organe eins nach dem anderen den Geist aufgaben. Seit sie Adam kennengelernt hatte, hatte Olive sich schon mindestens zehnmal gewünscht, auf der Stelle tot umzufallen oder vom Erdboden verschluckt zu werden – durch irgendeine Katastrophe von der ganzen Peinlichkeit erlöst zu werden. Aber diesmal fühlte es sich an, als würde die Welt tatsächlich untergehen.

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