Prévia do material em texto
»Dann sollte ich wohl besser nicht zu Tom gehen und in deiner Nähe bleiben«, sagte sie grinsend. »Schon allein, um meine Kommilitonen vor deinen üblen Launen zu bewahren.« Er warf einen Blick auf ihren misslungenen Western Blot. »Es sieht nicht so aus, als würdest du demnächst deinen Abschluss machen.« Sie gab ein Geräusch von sich, das halb Lachen, halb schockiertes Keuchen war. »O mein Gott, hast du gerade echt …?« »Offensichtlich …« »Das ist das Unfreundlichste, Gemeinste …« Olive drohte ihm mit dem Finger, musste aber gegen ihren Willen lachen. »… deinem Blotting nach zu urteilen …« »… was je irgendjemand zu einer Doktorandin gesagt hat.« »Ich denke, mir könnten noch gemeinere Sachen einfallen. Sofern ich mich richtig ins Zeug lege.« »Das mit uns ist aus.« Sie wünschte, sie würde nicht lächeln. Dann würde er sie vielleicht ernst nehmen, statt sie einfach mit diesem amüsierten Gesichtsausdruck anzusehen. »Im Ernst. Es war schön, aber nun ist Schluss.« Empört stand sie auf und wollte gehen, doch er hielt sie am Handgelenk fest und zog so lange daran, bis sie sich wieder neben ihn auf die schmale Couch setzte – vielleicht sogar noch ein bisschen näher als zuvor. Sie funkelte ihn weiter zornig an, was ihn jedoch nicht aus der Ruhe brachte. »Es ist nichts Schlimmes daran, länger als fünf Jahre für seine Promotion zu brauchen«, sagte er in versöhnlichem Ton. Olive schnaubte. »Du willst nur, dass ich ewig hierbleibe. Bis du den größten, klarsten, handfestesten Title-IX-Fall hast, den die Welt je gesehen hat.« »Das war von Anfang an mein Plan. Nur deshalb habe ich dich zurückgeküsst.« »Ach, sei still.« Sie zog den Kopf ein, biss sich auf die Lippen und hoffte, er würde nicht sehen, dass sie wie eine Idiotin grinste. »Hey, kann ich dich was fragen?« Adam sah sie erwartungsvoll an, also fuhr sie in leiserem, sanfterem Ton fort: »Warum tust du das wirklich?« »Warum tue ich was?« »Die ganze Fake-Dating-Geschichte. Ich weiß, du willst nicht als abtrünnig gelten, aber … warum triffst du nicht wirklich jemanden? Du bist doch gar nicht so übel.« »Ein großes Lob.« »Komm schon, ich meine nur … Ausgehend von deinem Fake-Dating-Verhalten bin ich sicher, dass viele Frauen … na ja, zumindest einige Frauen an echten Dates mit dir interessiert wären.« Sie biss sich erneut auf die Lippe und zupfte an dem Loch herum, das sich am Knie ihrer Jeans auftat. »Wir sind doch Freunde. Anfangs natürlich nicht, aber jetzt schon. Du kannst es mir sagen.« »Wir sind Freunde?«, fragte er fast zaghaft. Sie nickte. Ja. Das sind wir. »Na ja, du hast gerade eine der heiligen Regeln der Freundschaft gebrochen, indem du meine Studiendauer erwähnt hast. Aber ich werde dir verzeihen, wenn du mir verrätst, ob dir unsere Geschichte wirklich lieber ist als … eine richtige Freundin.«