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»Du bist in sie verliebt, stimmt’s?«, fragte Holden ihn letzte Woche, nachdem er bemerkt hatte, dass Adams Blick immer wieder zu seinem Handy wanderte, statt dem Spiel im Fernsehen zu folgen. Adam verdrehte die Augen, schaute wieder zum Bildschirm und antwortete: »Ich möchte nur, dass es ihr gut geht. Und dass sie glücklich ist. Und dass sie alles hat, was sie braucht.« Dazu sagte Holden nichts, er nickte und lächelte nur vielsagend, und seit dem Promotionsstudium war Adam nie näher daran gewesen, ihm eine zu scheuern.
Was also, wenn Adam sich zusammenreißen und Olive tatsächlich die Wahrheit sagen würde?
Ziemlich verdammt tragische Wendung des Schicksals, aber du scheinst dich nicht daran zu erinnern, dass wir uns zum ersten Mal schon vor Jahren begegnet sind. Und das ist ein Problem, denn ich erinnere mich dummerweise viel zu gut daran. Ich mag eigentlich niemanden, absolut niemanden, bloß dich mochte ich auf Anhieb. Ich mochte dich schon, als ich dich noch gar nicht kannte, und jetzt, da ich dich kenne, ist es nur schlimmer geworden. Manchmal, oft, immer, denke ich vor dem Einschlafen an dich. Dann träume ich von dir, und wenn ich aufwache, bin ich in meinem Kopf noch immer dort, stecke fest in etwas Lustigem, Schönem, Schmutzigem, Intelligentem, bei dem es nur um dich geht. So ist das schon seit einer ganzen Weile, länger, als du denkst, länger, als du dir vorstellen kannst. Und ich hätte es dir sagen sollen, aber ich habe den Eindruck – das heißt, ich bin mir eher sicher –, dass du ganz kurz davor bist davonzulaufen und dass ich dir dringend Gründe zum Bleiben liefern muss. Gibt es irgendetwas, das ich für dich tun soll? Ich könnte dir Lebensmittel kaufen und sie in deinen Kühlschrank packen, wenn wir wieder zu Hause sind. Dir ein neues Fahrrad besorgen, einen Kasten ordentliches Reagens und auch diese grässliche Plörre, die du so gern trinkst. Alle Leute umbringen, die dich jemals unglücklich gemacht haben. Noch irgendwas? Sag es mir einfach. Du bekommst es. Alles, was ich dir geben kann – du sollst es haben.
Aber es gibt kein Szenario, in dem nicht irgendwas dazu führt, dass Olive schreiend die Flucht ergreift. Und nach den letzten Tagen, Wochen, Jahren braucht sie eigentlich nichts weiter als ein bisschen Ruhe. Einen sicheren Zufluchtsort. Einen Platz, an dem sie sich sicher fühlt und von dem sie nicht mehr weglaufen muss. Und so fasst Adam einen Entschluss: Er lässt die Wahrheit ein weiteres Mal nicht ans Licht kommen, und als sie mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen und einem hoffnungsvollen Schimmern in den Augen ein Stück von ihm abrückt, schüttelt er schnell den Kopf.
»Olive, das ist … nein.«
»Warum?« Zwischen ihren Augenbrauen erscheint eine Falte. Für die einzig und allein Adam verantwortlich ist, er ist einfach nur schlecht für sie.
»Dafür sind wir nicht hier.«
Sie bläht die Nasenflügel. »Das heißt doch nicht, dass …«
»Du kannst nicht klar denken. Du bist durcheinander und betrunken und …«
Sie verdreht ungeduldig die Augen, und seine Hände haben das brennende Verlangen, sie an sich zu ziehen. Er will sie küssen. Überall. Sie ist rotzfrech und eine ewige Klugscheißerin, und er muss ganz fest die Faust ballen, damit er nicht die Hand nach ihr ausstreckt.

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