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»Bin ich nicht!«
»Aber so gut wie, und das bedeutet, dass …
»Nein, so funktioniert das nicht. Jungfräulichkeit ist keine kontinuierliche Variable, sondern kategorisch definiert, binär. Dichotom, schon dem Namen nach. Potenziell ordinal. Ich spreche vom Chi-Quadrat und seinen Hypothesentests, vielleicht von einer Spearman’schen Rangkorrelation, einer logistischen Korrelation, vom Logit-Modell und dieser blöden Sigmoidfunktion und …«
Das tut sie jedes Mal. Bringt ihn zum Lachen, als wäre er gar nicht der mürrische, humorlose Mensch, der er ist. Jeden Mittwoch bringt sie ihn dazu zu vergessen, dass er feindselig und unnahbar sein sollte, die ganze Welt hassen müsste, und obwohl es eine grässliche Idee ist, berührt er sie wieder, lächelt an ihrem Mund, während sie in seinen lacht, sagt ihr zwischen seinen Küssen, dass sie aufhören soll, so eine Klugscheißerin zu sein, und dann sind sie sich auf einmal wieder viel zu nah. »Olive, wenn Sex aus irgendeinem Grund für dich etwas ist, bei dem … bei dem du dich nicht wohlfühlst, oder etwas, das du außerhalb einer festen Beziehung lieber nicht haben möchtest, dann …«
»Nein. Nein, nichts dergleichen. Ich …« Er zieht sich zurück und sieht sie an. Ganz geduldig. Er möchte verstehen. »Es liegt nicht daran, dass ich keinen Sex haben will. Nur ist es auch … es ist auch nicht gerade so, dass ich unbedingt welchen haben will. Irgendwas stimmt nicht mit meinem Gehirn und meinem Körper, und … ich weiß nicht, was genau es ist, aber anscheinend erlebe ich Anziehung anders als andere Menschen. Anders als normale Menschen. Ich habe versucht, einfach … einfach Sex zu haben, es hinter mich zu bringen, und der Typ, mit dem ich es versucht habe, war nett, aber die Wahrheit ist, dass ich einfach keine … ich fühle mich sexuell nicht zu anderen hingezogen, es sei denn, ich vertraue einem Menschen wirklich und mag ihn auch. Was aus irgendeinem Grund nie gleichzeitig der Fall ist. Oder zumindest fast nie. Jedenfalls ist es lange nicht mehr passiert, aber jetzt schon – ich mag dich wirklich, Adam, und ich vertraue dir, und zum ersten Mal in einer Million Jahre möchte ich …«
Adam möchte ihr unbedingt sagen, dass mit ihrem Gehirn alles in Ordnung ist. Er hatte ganz vergessen, dass Sex etwas ist, was er schon jahrelang hätte wollen sollen, bevor er sie kennengelernt hat. Er möchte ihr erklären, dass er nur zu gut versteht, was sie ihm sagt. Aber es ist riskant, diese eine Wahrheit inmitten all der Lügen zuzugeben, deshalb schaut er sie nur an, nimmt ihre Worte auf und fragt sich zum ersten Mal seit Wochen, ob es vielleicht doch Hoffnung gibt.
Bisher hat er diesen Gedanken nicht zugelassen. Er lügt nicht gern, nicht einmal sich selbst gegenüber, und das Trugbild, dass diese Geschichte mit etwas anderem als einer klaren Trennung am 29. September endet, ist gefährlich. Aber wenn Olive ihm doch vertraut. Wenn sie ihm vertraut.
Vielleicht nicht jetzt. Und auch nicht so bald. Sie ist in einen anderen verliebt, und solche Dinge brauchen Zeit. Aber nächstes Jahr sind sie beide in Boston, und wenn sie ihm jetzt schon vertraut, könnte Adam sie vielleicht überreden, dass er sich um sie kümmert. Er will keine Gegenleistung dafür. Sie muss sich nicht in ihn verlieben, denn er liebt sie genug für sie beide. Aber wenn sie ihm

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