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»Was ist mit dir?« »Hm?« Adam sah sie nicht an. »Läuft es für dich auch gut?« Das klang ziemlich bedürftig nach Anerkennung. Olive sagte sich, es liege nur daran, dass sie so leise sprechen musste. »Oder willst du unsere Fake-Trennung vorziehen?« Er zögerte. Dann, gerade als Dr. Moss das Mikrophon nahm, um Tom zu danken und Fragen aus dem Publikum entgegenzunehmen, antwortete er: »Nein. Ich will keine Fake-Trennung.« Er roch wirklich gut. Und er hatte einen seltsam trockenen Humor, und ja, er war auch ein bekanntes Arschloch, aber nett genug, dass sie das ganz gut ignorieren konnte. Alles in allem konnte sie sich nicht beschweren. Olive setzte sich bequemer hin und wandte sich wieder dem Podium zu. Nach dem Vortrag überlegte sie, nach vorn zu gehen, um Tom zu beglückwünschen und ihm ein, zwei Fragen zu stellen, auf die sie die Antwort schon wusste. Leider warteten Dutzende Leute darauf, mit ihm zu sprechen, und sie entschied, dass es die Arschkriecherei nicht wert war, stundenlang Schlange zu stehen. Also verabschiedete sie sich von Adam und wartete, dass Anh aus ihrem Nickerchen erwachte, wobei sie versucht war, aus Rache einen Penis auf ihr Gesicht zu malen, dann schlenderten sie gemächlich über den Campus zum Biologiegebäude. »Macht dir dein Bericht für Benton viel Arbeit?«, fragte Anh. »Schon. Ich muss noch ein paar Kontrolluntersuchungen durchführen, damit meine Ergebnisse aussagekräftiger werden. Und da sind noch ein, zwei andere Sachen, um die ich mich kümmern muss – der Job als Lehrassistentin, meine Postersession für den SBD-Kongress in Boston und so weiter.« Olive legte den Kopf in den Nacken, ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen und lächelte. »Wenn ich mich diese und nächste Woche jede Nacht in meinem Labor verkrieche, sollte ich rechtzeitig fertig werden.« »Der Kongress ist wenigstens etwas, worauf wir uns freuen können.« Olive nickte. Normalerweise war sie angesichts der horrenden Kosten für Registrierung, Anreise und Unterkunft kein großer Fan von akademischen Kongressen. Aber Malcolm und Anh würden auch dort sein, und Olive freute sich darauf, gemeinsam mit ihnen Boston zu erkunden. Außerdem verhieß das Drama, das bei akademischen Veranstaltungen mit unbegrenztem Ausschank von Freigetränken immer zu erwarten war, erstklassige Unterhaltung. »Ich werde dort übrigens ein ›People of Color‹-Event für Frauen in MINT-Fächern organisieren – ich will Doktorandinnen wie mich ins Gespräch mit Studierenden bringen, die mit dem Gedanken spielen, sich zu bewerben, um ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sein werden, wenn sie den Schritt wagen.« »Anh, das ist großartig. Du bist großartig.« »Ich weiß.« Anh zwinkerte Olive zu und hakte sich bei ihr unter. »Wir können uns alle ein Hotelzimmer teilen, an den Ausstellungsständen die neusten Erfindungen schnorren und uns zusammen volllaufen lassen. Erinnerst du dich noch an den Humangenetik-Kongress, als Malcolm komplett besoffen war und