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»Ach, Kongress, Schmonzess.« Malcolm setzte sich zu Anh aufs Bett. »Können wir bitte zusammen rausgehen?«, bettelte Anh. »Den Freedom Trail ablaufen und alle Sehenswürdigkeiten von Boston besichtigen? Mit Eis. Und Bier.« »Wo ist Jeremy?« »Er präsentiert seinen Aushang. Und ich langweile mich«, erklärte Anh und grinste verschmitzt. Zwar war Olive nicht in der Stimmung, unter Menschen zu gehen, sie hatte weder Lust auf Bier noch auf touristische Freiheitspfade, aber irgendwann würde sie lernen müssen, auch mit einem gebrochenen Herzen am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Also antwortete sie lächelnd: »Ich checke nur schnell meine Mails, dann können wir losziehen.« Unerklärlicherweise hatten sich in der halben Stunde, seit sie das letzte Mal nachgeschaut hatte, fünfzehn Nachrichten angesammelt, wenn auch nur eine, die kein Spam war. Heute, 15:11 Von: Aysegul-Aslan@stanford.edu An: Olive-Smith@stanford.edu Betreff: Kontakte für mein Bauchspeicheldrüsenkrebs-Projekt Liebe Olive, ich würde Sie sehr gern ein paar Kollegen empfehlen und nach Möglichkeiten fragen, in deren Labors zu arbeiten. Ich bin unbedingt der Meinung, dass Sie bessere Chancen haben, wenn die E-Mail von mir kommt. Bitte schicken Sie mir Ihre Liste. Übrigens haben Sie mir immer noch nicht die Aufnahme Ihres Vortrags geschickt. Ich kann es kaum erwarten, ihn mir anzusehen! Herzlich Aysegul Aslan, Ph. D. Olive erwog kurz, ob es wohl sehr unhöflich wäre, die Liste ohne die Aufnahme zu schicken (wahrscheinlich schon), seufzte und begann, die Datei auf ihren Laptop zu überspielen. Als ihr klar wurde, dass diese, weil sie vergessen hatte, das iPhone nach dem Vortrag abzustellen, mehrere Stunden lang war, wurde aus ihrem Seufzer ein Stöhnen. »Wird eine Weile dauern, Leute. Ich muss Dr. Aslan eine Audiodatei schicken und sie vorher noch bearbeiten.« »Na toll«, schnaubte Anh. »Malcolm, möchtest du uns vielleicht so lange mit weiteren Erzählungen von deinem Date mit Holden unterhalten?« »Gern. Zunächst einmal hatte er ein unglaublich süßes und sehr schickes babyblaues Hemd an.« »Babyblau?« »Diesen skeptischen Ton kannst du dir sparen. Dann hat er mir eine Blume überreicht.« »Woher hatte er die denn?« »Keine Ahnung.« Olive suchte in der MP3-Datei nach einer geeigneten Stelle, um die Aufnahme zu kappen. Am Ende, als sie ihr Telefon im Hotelzimmer hatte liegen lassen, herrschte über lange Zeit Stille. »Vielleicht hat er die Nelke vom Büfett geklaut?«, schlug sie gedankenverloren vor. »Ich glaube, ich hab unten rosa Nelken gesehen.«