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Craque NetoCraque Neto

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»Irgendeiner Tussi, die er seit ungefähr zwei Wochen vögelt, oder einem Kollegen, mit dem er seit Jahren befreundet ist? Einem Kollegen, der ihm geholfen hat, das wichtigste Forschungsstipendium seiner Karriere zu bekommen? Der ihm schon seit einer Ewigkeit den Rücken freihält? Einem Kollegen, der tatsächlich ein guter Wissenschaftler ist?«
Bebend vor Wut drehte Olive sich wieder um. »Warum tust du das?«
»Weil ich es kann«, antwortete er achselzuckend. »Denn so gewinnbringend meine Zusammenarbeit mit Adam auch ist, nervt es doch gelegentlich, dass er immer und überall der Beste sein muss. Deshalb gefällt mir die Idee so gut, ihm ausnahmsweise mal etwas wegzunehmen. Du bist nämlich wirklich sehr nett anzusehen, und ich freue mich darauf, im nächsten Jahr mehr Zeit mit dir zu verbringen. Wer hätte gedacht, dass Adam einen so guten Geschmack hat?«
»Du bist verrückt. Wenn du glaubst, dass ich in deinem Labor arbeiten werde, bist du …«
»Doch, Olive, das wirst du. Denn weißt du – obwohl deine Arbeit nicht besonders gut ist, ergänzt sie doch wunderbar die anderen Projekte, die in meinem Labor laufen.«
Olive stieß ein bitteres Lachen aus. »Bist du wirklich so verblendet, dass du immer noch glaubst, ich wäre bereit, mit dir zusammenzuarbeiten?«
»Hmm. Es ist eher so, dass du keine andere Wahl hast. Denn wenn du dein Projekt fertigstellen willst, ist mein Labor deine einzige Chance. Und wenn nicht … Tja. Du hast mir sämtliche Informationen zu all deinen Arbeitsschritten zukommen lassen, und das bedeutet, ich kann deine Versuche jederzeit wiederholen. Aber keine Sorge. Vielleicht erwähne ich dich in der Danksagung.«
Sie spürte, wie der Boden unter ihr nachgab. »Das tust du nicht«, flüsterte sie. »Das wäre wissenschaftliches Fehlverhalten.«
»Hör zu, Olive. Mein freundschaftlicher Rat lautet: Komm darüber weg. Sorg dafür, dass Adam glücklich und so lange wie möglich an dir interessiert bleibt, und dann kommst du in mein Labor, um endlich anständige Arbeit zu leisten. Wenn du tust, was mich glücklich macht, werde ich dafür sorgen, dass du die Welt vom Bauchspeicheldrüsenkrebs retten kannst. Deine rührselige Geschichte, wie deine Mom – oder war es deine Tante? Oder deine Kindergärtnerin? – gestorben ist, wird dich nicht weit bringen. Du bist schlicht mittelmäßig.«
Olive drehte sich um und rannte aus dem Raum.
Als sie das Piepen der Schlüsselkarte hörte, wischte sie sich hastig das Gesicht mit den Ärmeln ihres Kleids trocken. Nicht sehr erfolgreich: Sie hatte volle zwanzig Minuten geweint, und selbst eine ganze Rolle Taschentücher hätte nicht ausgereicht, um es zu verbergen. Wofür sie nichts konnte – sie war sich sicher gewesen, Adam würde nach seiner Rede zur Eröffnungsfeier gehen. War er nicht im Komitee für Soziales und Networking? Auf jeden Fall hätte er anderswo sein müssen. Sozial sein. Und networken. Sich um sein Komitee kümmern eben.

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