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»Du bist in einen anderen verliebt!« Um ein Haar wäre sie zurückgewichen. Wie er diesen Einwand ausspuckte, klang wütend. Es hätte sie abschrecken müssen, in die Flucht schlagen, ihr ein für alle Mal in den Kopf hämmern, wie lächerlich ihr Unterfangen gewesen war, was für eine verheerende Idee. Aber nichts davon passierte. Inzwischen war der mürrische, schlecht gelaunte Adam so mit ihrem Adam verschmolzen, mit dem Adam, der ihr Süßes kaufte und ihre Präsentation prüfte und sie an seiner Schulter weinen ließ. Es hatte eine Zeit gegeben, in der sie die beiden nicht hatte miteinander vereinbaren können, aber jetzt sah sie seine vielen verschiedenen Facetten ganz klar vor sich, und sie wollte keine einzelne missen. »Olive.« Er seufzte abgrundtief und schloss die Augen. Der Gedanke, dass er jetzt womöglich an die Frau dachte, die Holden erwähnt hatte, blitzte auf und verschwand wieder, denn er war zu schmerzlich. Sie musste es ihm sagen. Sie musste ehrlich zu ihm sein und zugeben, dass sie sich überhaupt nicht für Jeremy interessierte, dass es keinen anderen gab. Nie gegeben hatte. Aber sie fürchtete sich, fühlte sich vor Angst wie gelähmt, und nach diesem Tag, der hinter ihr lag, fühlte ihr Herz sich so überaus zerbrechlich an. Adam könnte es in tausend Stücke schlagen, wenn er sie nicht verstünde. »Olive, so fühlst du dich jetzt, in diesem Moment. Ich möchte nicht, dass du es in einem Monat, in einer Woche oder vielleicht morgen schon bereust.« »Und was ist mit dem, was ich will?« Sie ließ ihre Worte einige Sekunden lang die Stille durchbrechen. »Was ist mit der Tatsache, dass ich es will? Obwohl dir das vielleicht vollkommen egal ist.« Sie straffte die Schultern und blinzelte das kratzige Gefühl in ihren Augen weg. »Weil du es nicht willst, stimmt’s? Vielleicht findest du mich einfach nicht attraktiv, und du willst es nicht …« Um ein Haar hätte sie das Gleichgewicht verloren, so abrupt und heftig zog er ihre Hand näher an sich heran und drückte sie flach auf die Leistengegend, um ihr zu zeigen, dass … Oh. Oh. Ja. Sein Kiefer mahlte, aber er hielt ihrem Blick stand. »Du hast anscheinend nicht die leiseste Ahnung, was ich will.« Es verschlug ihr den Atem – der leise, kehlige Ton seiner Stimme, die massive Erhebung unter ihren Fingern, das zornige, hungrige Blitzen in seinen Augen. Hastig schob er ihre Hand wieder weg, aber es war zu spät. Es war nicht so, dass Olive nicht … Auch wenn sie sich bisher geküsst hatte, waren ihre Körper im Spiel gewesen, aber in diesem Moment fühlte es sich an, als wäre ein Schalter umgelegt worden. Sie fand Adam schon lange anziehend, hatte ihn berührt, hatte auf seinem Schoß gesessen, vage die Möglichkeit in Betracht gezogen, mit ihm intim zu werden. Sie hatte an ihn gedacht, an Sex, an Sex mit ihm, aber die Vorstellung war immer abstrakt geblieben. Diffus, unbestimmt. Wie eine Skizze in Schwarz-Weiß, nicht mehr als der erste Schritt zu einem Bild, das nun Farbe annahm.