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Olive biss die Zähne zusammen und ging auf Adam zu – hätte sie doch nur zwanzig Penisse auf Anhs Gesicht gemalt … Hegte ihre Freundin womöglich den Verdacht, dass Olive ihre Beziehung zu Adam nur vortäuschte? Oder machte es der fiesen Socke einfach Spaß, sie zu Knutschereien in der Öffentlichkeit zu drängen? So oder so, wenn das der Lohn dafür war, mit einem genialen Fake-Dating-Plan einer Freundin zum Liebesglück zu verhelfen, dann sollte sie vielleicht … Abrupt blieb Olive stehen. Adam hatte den Kopf gesenkt, so dass ihm seine schwarzen Haare in die Stirn fielen, während er sich mit dem Saum seines Shirts den Schweiß von der Stirn wischte. Womit er die Sicht auf einen beachtlichen Teil seines Oberkörpers freigab, und … es war nichts Unanständiges, nichts Ungewöhnliches, nur der Bauch eines durchtrainierten Kerls, aber aus irgendeinem Grund starrte Olive seine nackte Haut an, als wäre sie aus italienischem Marmor, und … »Olive?«, sagte er, und sie wandte hastig den Blick ab. Verdammt, er hatte sie eindeutig dabei erwischt, wie sie ihn anstarrte. Erst hatte sie ihn gezwungen, sie zu küssen, und jetzt begaffte sie ihn auf dem Uni-Parkplatz wie ein Perversling und … »Brauchst du irgendwas?« »Nein, ich …« Sie fühlte, wie ihre Wangen knallrot anliefen. Auch seine Haut war von der Anstrengung gerötet, seine Augen strahlten, und er wirkte … nun, zumindest wirkte er nicht unglücklich, sie zu sehen. »Anh schickt mich, ich soll dir einen Kuss geben.« Er erstarrte mitten in der Bewegung. Dann sagte er in seinem üblichen unergründlichen Ton: »Ah.« »Weil du das Auto weggeschoben hast. Ich … ich weiß, wie lächerlich das klingt. Aber ich wollte nicht, dass sie Verdacht schöpft, und es sind auch einige Professoren hier, vielleicht erzählen sie dem Fakultätsleiter davon, jedenfalls würden wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, aber ich kann wieder gehen, wenn du …« »Ist schon okay, Olive. Hol erst mal tief Luft.« Richtig. Gute Idee. Olive holte tief Luft, und dabei wurde ihr klar, dass sie das schon lange nicht mehr gemacht hatte, woraufhin sie Adam dankbar anlächelte – der mit seinem vertrauten Mundwinkelzucken antwortete. Sie gewöhnte sich wirklich an ihn. An seine Mimik, seine Größe, das einzigartige Gefühl, das sie überkam, wenn sie in seiner Nähe war. »Anh starrt uns an«, stellte Adam mit einem Blick über ihren Kopf fest. Olive seufzte und rieb sich die Nasenwurzel. »Darauf kannst du wetten«, murmelte sie. Adam wischte sich mit dem Handrücken weiter den Schweiß von der Stirn. Olive wand sich vor Nervosität. »Also … wollen wir uns umarmen oder so?« »Oh.« Adam sah an sich hinunter. »Ich glaube nicht, dass du das willst. Ich bin ziemlich eklig.«