Prévia do material em texto
Der Gedanke, dass Tom so sehr an ihre Arbeit glaubte, dass er sie mit in sein Labor nehmen würde, vertrieb ihr aufkeimendes Unbehagen auf der Stelle. »Auf jeden Fall.« Sie lächelte. »Ich bin dir so dankbar, dass du mir und meinem Projekt eine Chance gibst. Ich kann es kaum erwarten, mit dir zusammenzuarbeiten.« »Gern geschehen.« Auch er lächelte. »Ich denke, es gibt viele Bereiche, auf denen wir voneinander profitieren können. Findest du nicht auch?« Zwar hatte Olive das Gefühl, dass sie viel mehr von ihm profitieren würde als er von ihr, aber sie nickte. »Hoffentlich. Ich glaube, Bildgebung und Biomarker ergänzen sich perfekt, und erst wenn wir beides kombinieren, können wir …« »Ich habe genau das, was du brauchst, stimmt’s? Die Forschungsmittel. Das Labor. Die Zeit und die Fähigkeit, dich angemessen zu unterstützen.« »Ganz genau. Ich …« Auf einmal konnte sie den grauen Rand seiner Cornea erkennen. Rückte er ihr auf die Pelle? Er war groß, aber nicht viel größer als sie. Normalerweise fand sie ihn nicht ganz so imposant. »Ich bin dir dankbar. Wirklich. Ich bin sicher, dass …« Sein Geruch stieg ihr in die Nase, sie fühlte seinen Atem, heiß und unangenehm an ihrem Mund, und – seine Finger, die sich mit festem Griff um ihren Oberarm gelegt hatten. Warum war er – was hatte er …? »Was ist …?« Olives Herz klopfte bis zum Hals, sie befreite ihren Arm und wich zurück. »Was soll das denn werden?« Ihre Hand fuhr zu ihrem Bizeps an die schmerzende Stelle, die Tom umfasst hatte. Himmel – hatte er das wirklich getan? Hatte er sie zu küssen versucht? Nein, das hatte sie sich bestimmt nur eingebildet. Vermutlich war sie dabei auszuflippen, denn Tom würde doch nie im Leben … »Eine Art Vorspiel, denke ich.« Unfähig zu reagieren, starrte sie ihn an. Doch er griff von Neuem nach ihr und kam ihr wieder näher. Aber nun stieß sie ihn mit beiden Händen, so kräftig sie konnte, von sich, und er stolperte ein paar Schritte zurück. Doch das Lachen, das er dabei ausstieß, war so fies und voller Verachtung, dass es ihr fast den Atem raubte. »Ein Vorspiel? Wovon? Bist du verrückt geworden?« »Ach, komm schon.« Lächelte er etwa? Warum hatte er diesen gehässigen Ausdruck im Gesicht? Warum sah er sie an, als ob … »Ein hübsches Mädchen wie du muss doch inzwischen wissen, wie das läuft.« Er taxierte sie von Kopf bis Fuß, und als sie das lüsterne Schimmern in seinen Augen sah, überkam sie Ekel. »Du willst doch nicht etwa behaupten, dass du dieses kurze Kleidchen nicht mir zuliebe ausgesucht hast, oder? Hübsche Beine übrigens. Ich kann schon verstehen, warum Adam sich mit dir abgibt.« »Das … Was willst du …« »Olive.« Er seufzte theatralisch und steckte die Hände in die Hosentaschen. In dieser Haltung hätte er eigentlich harmlos und freundlich wirken müssen, aber das Gegenteil war der Fall. »Du wirst doch nicht im Ernst glauben, dass ich dein Projekt in meinem Labor angenommen habe, weil du so brillant bist.«